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Zickenterror – Warum müssen Mädchen so sein?

Ms. Rottenmeier

„Warum können wir nicht auf Bären zur Arbeit reiten
und warum ist der Nachbar so laut?
Warum, ja warum, ja warum, warum regst du dich denn auf?“

…singen gerade die 257er sehr aktuell und ich muss immer schmunzeln…und hab mich neulich noch im Auto gefragt, worüber ich mich eigentlich am meisten aufrege…und die Antwort lest ihr schon im Titel!

Warum müssen Mädchen eigentlich solche Zicken sein? Und warum ist das schon immer so? Und warum ändert sich das auch nicht, wenn die Mädchen erwachsen werden? Ihr seid selber Mädchen, ihr wisst was ich meine! In meinen Erinnerungen an meine eigene Grundschulzeit vor 30 Jahren ist ein Bild von tuschelnden Mädchen, wenn ich morgens auf den Schulhof komme und später dann auf der weiterführenden Schule von einer Mädelsclique, in der wir uns eigentlich alle mochten (und zum Teil heute noch befreundet sind), aber trotzdem immer eine von uns auserkoren hatten, auf die wir dann morgens nicht mit dem Fahrrad gewartet haben, um gemeinsam zur Schule zu fahren…die Rolle der Ausgegrenzten wechselte dabei wöchentlich. Und wenn ich mich daran erinnere, ist es mir immer noch unangenehm, dass ich nicht schon damals mutiger und authentischer reagiert habe, sondern mich dem Gruppen-Zicken-Zwang gebeugt haben! Irgendwie war man immer nur froh, wenn man selber nicht Opfer des Gezickes wurde und hat gehofft, dass diese Situationen irgendwann aufhören…aber was soll ich sagen?! In der Abi-Zeitung wurde gezickt was das Zeug hält, im Studium wurde ignoriert und nicht informiert…umso lieber arbeite ich heute in einer fast reinen Männerabteilung. Warum?! Weil Männer sowas nicht machen, die werden manchmal lauter, sagen sich dabei aber meistens ziemlich direkt, was sie voneinander halten…und danach gehen sie zusammen in die Kantine Mittagessen und reden über Fußball!

Überall dort, wo Mädchen und Frauen sich in irgendeinem, wenn auch eingebildeten Konkurrenzverhältnis sehen, wird nicht geholfen oder unterstützt, da wird geätzt und gezickt was das Zeug hält. Hatte ich mich gerade in meinem Job und dem entspannten Arbeiten mit männlichen Kollegen eingerichtet und Zickenterror völlig aus meiner Wahrnehmung verdrängt, lauterte hinter der nächsten Ecke gut versteckt der nächste Schauplatz…die Krabbel-Gruppe des großen Kindes. Da zwar aber auf sehr homöopathisch versteckte Art und Weise, dafür nicht weniger verletzend. Da werden freudig die Lebensentwürfe und Erziehungsstile anderer kritisiert und ausgegrenzt…natürlich mit einem milden Lächeln im Gesicht! Ich habe zwei Kinder gebraucht, um festzustellen, dass es auch ’nur‘ #Zickenterror ist…weil Konkurrenzsituation im Wettrennen um den Titel ‚Mutter des Jahres‘.

Und habe ich jetzt geglaubt, ich hätte so ziemlich alles erlebt und hinter mich gebracht, was das Zickenuniversum bereit hält, muss ich feststellen, dass mir das Leben eine zweite Runde beschert hat. Völlig irrational hatte ich unterbewusst wohl gedacht, dass meiner Tochter diese Erfahrungen erspart bleiben würden… das große Kind ist ein Junge, da wird sich seit dem Kindergarten gerauft, da werden sich auch schon mal Schimpfworte an den Kopf gehauen und 10 Minuten später drehen sie eine Runde auf dem Rad zusammen. Aber als meine Tochter mir erstmals berichtete, im Kindergarten dürfte sie nicht mitspielen und andere Mädchen würden tuscheln, schwante mir irgendwie Ungutes. Und vor ein paar Tagen habe ich es dann selbst erlebt. Die Tochter kommt in den Kindergarten, läuft auf die anderen freudestrahlend zu und begrüßt sie…die anderen beiden tuscheln, lachen, rufen ‚Du darfst heute nicht mit uns spielen!‘ und laufen weg.

Und da steht nun meine 5-jährige Tochter vor mir, hat Tränen in den Augen, versteht die Welt nicht mehr und ich könnte so wütend werden! Warum sind Mädchen so und warum sind sie nicht anders? Warum haben sie eine Freude daran, wenn andere sich schlecht fühlen? Ist das mangelndes Selbstwertgefühl? Wir sind doch als Frauen heute so emanzipiert, dass wir werden können, was wir wollen und uns darüber definieren können, wer wir sind und was wir selber erreicht haben. Und wenn wir das machen, was wir möchten und die sind, die wir sein wollen, können wir doch auch andere so sein lassen wie sie sind. Und wer lässt es eigentlich zu, dass Mädchen so sind, wie sie sind? Mütter, die es nicht bemerken, dass ihre Töchter diesem ewigen Muster verfallen? Oder nur die Mütter, die auch selber noch so sind und es ihren Töchtern vorleben? Und ich frage mich gerade heute, kann ich nicht am Ende froh sein, dass meine Tochter heute das Opfer und nicht die Zicke war? Und was kann ich ihr heute Abend vor dem Einschlafen sagen, damit sie aus der Situation lernt, dass Zicke sein etwas ganz Bescheuertes ist?!

Und nachdem ich nun mein Herz ausgeschüttet habe, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mich wissen lasst, welche Erfahrungen ihr in eurem (Mädchen-)Leben so gemacht habt. Und ich freue mich über jede Rückmeldung von Mädchen-Mamas, mit welcher Strategie ihr das Thema angeht!

Herzlichst,
Christina

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7 Kommentare

  • Antwort
    Valérie von Life 40up!
    19. Januar 2015 at 13:58

    Ich bin zwar eine Jungs-Mama, aber das Thema kenne ich – auch aus eigener Erfahrung – nur zu gut. Mein Sohn kam auch schon aus dem Kindergarten nach Hause und erzählte, dass seine Freundin, die sonst immer gerne mit ihm spielt, auf einmal mit anderen Mädchen zusammengluckt und zu ihm sagt, er dürfe nicht mitspielen. Natürlich wird nie ein Grund genannt, warum.

    Meiner Meinung nach geht es hier um Macht. Wer andere bewußt ausgrenzt, probiert aus, wie weit er gehen kann. Das Schlimme: Sobald Mädchen (oder Jungen) herausfinden, dass sie mit diesem Verhalten jemanden verletzten können und somit eine gewisse Macht über andere besitzen, nutzen sie das aus und wiederholen diese Verhaltensweise immer wieder – auch als Erwachsene.

    Woher kommt dieses Verhalten? Kinder imitieren ihre Elten oder andere Bezugspersonen, die ihnen nahe stehen. Wann immer ich so ein Verhalten bei einem Kind feststelle, muss ich mir nur die Eltern ansehen und habe dann meistens meine Antwort. Zickige, manipulative Eltern haben zickige, manipulative Kinder. Punkt. Leider freuen sich solche Menschen auch noch daran, wie weit sie mit so einem Verhalten kommen können.

    Was tue ich dagegen? Ich zeige meinem Kind, dass ich seine Enttäuschung verstehe, und rate ihm Folgendes: Wenn ein Kind dich nicht mitspielen lässt, dann laufe ihm nicht hinterher und bettle nicht darum, dass du mitspielen darfst. Sag ihm, dass du das nicht verstehst und nicht gut findest. Lass sie stehen und spiele dann mit anderen Kindern, die nett zu dir sind.

    Wir haben das ein paar Mal im Rollenspiel geübt, und damit kommt er ganz gut zurecht. Und ja, er spielt auch lieber mit Jungs, denn da klären sich Unstimmigkeiten schneller. Da gibts mal ein Gerangel, und danach spielen alle wieder friedlich miteinander.

    Fazit: Erwachsene und kindliche Zicken muss man auflaufen lassen und sich den Menschen zuwenden, die keine Machtspielchen spielen.

    Liebste Grüße,
    Valérie

  • Antwort
    Melanie
    19. Januar 2015 at 14:00

    Ja, ja, ja… Das liebe Zicken, anzicken und angezickt werden. Kenn ich nur zu gut und erlebe es jeden Tag aufs Neue bei mir und unserer Großen. Auch sie steht mit Tränen in den Augen im KiGa, weil sie heute mal nicht mitspielen darf, die „Großen“ sich über ihre Bilder lustig machen oder am Nachmittag, weil die Spielverabredung grade keine Lust mehr hat mit ihr zu spielen und sie doch gefälligst wieder gehen soll. Da hilft nur eins: lächeln, nicken und… trösten. Im KiGa werden sie ja noch einigermaßen aufgefangen aber zu Hause? Bei uns hilft da nur ablenken, trösten und erklären, daß es sowas schonmal gibt und morgen wahrscheinlich alles anders ist. Nutzt nicht viel, tut auch nicht minder weh, aber stärkt vll die angekratzte Psyche der Maus.
    Als Erwachsener lächelt man, nickt und denkt sich seinen Teil, wenn die Müttermafia wieder alles besser kann oder man wegen der Vernachlässigung der Kinder (der Vater muss die Kinder ins Bett bringen und Du gehst ein Bier trinken?!) blöd angesehen wird.
    Zicken gehört zum Handwerk einer weiblichen Person wie die Handtasche, hat man mir mal erklärt. Hmmm, vll mag ich deshalb keine Handtaschen?
    LG

  • Antwort
    Yvette [engel + banditen]
    19. Januar 2015 at 16:07

    Tja, mit 3 Töchtern kann ich auch mitreden ;-)
    Ich war auf einem Mädchengymnasium und kann mich tatsächlich nicht erinnern, dass wir so schlimm waren. Zumindest in meiner Erinnerung haben wir innerhalb der Klasse zusammengehalten und wenn überhaupt gegen die Parallelklasse gezickt. Und auch jetzt arbeite ich ja nur mit Mamas zusammen und wir verstehn uns alle prächtig.
    In der Grundschule bei meiner Großem hab ich dann allerdings die volle Ladung abbekommen, bei den beiden jüngeren (jetzt 5 und 8) geht’s zum Glück noch… Was soll ich sagen? So spült das Leben! Man kann zwar trösten, aber da müssen die Mädels irgendwie durch… Am schlimmsten ist allerdings, wenn die Mütter sich in den Zickenkrieg einmischen. Da muss man wirklich aufpassen, dass man da nicht auch anfängt: „deine Tochter hat aber…“ Also lieber tief durchatmen und -wie Valerie geschrieben hat- sich den netten Menschen zuwenden!
    LG

  • Antwort
    Daniela
    25. Januar 2015 at 17:49

    Das Zickenleben kenne ich sowohl aus der Schulzeit als auch aus dem Job. Ich bin mit dir völlig einer Meinung, wenn du sagst, dass du am liebsten mit Männern zusammenarbeitest. Kann ich absolut nachvollziehen und hatte, bis auf einmal, nur gute Erfahrungen damit.
    Bei der Ausgrenzung geht es um Macht und Gruppendynamik. Der Mensch ist ein Rudeltier und kommt alleine nicht gut klar. Ausnahmen gibt es natürlich. Dieses Gruppenverhalten wird schon im Kindesalter dadurch geprägt, dass es einen Anführer bzw. eine Anführerin gibt. Das Gefühl angenommen zu werden ist ein gutes Gefühl und wenn das durch die Gruppe transportiert wird „Du darfst mit uns spielen“, lernen Kinder, dass ein Zusammenschluss ein bindendes Gefühl erzeugt. Wird ein Kind aus dieser Gruppe isoliert, dann ist es alleine und damit ohne das „Schutzgefüge“ der Gruppe. Was ich sagen will, und hier schließe ich mich den Vorrednerinnen an: Kinder lernen und ahmen nach. Wenn zuhause oder in anderen Freundeskreisen erlebt wird, das Ausgrenzung Macht bedeutet, dann nehmen sie dieses Verhalten auf und entwickeln es weiter. Bis hin zum Erwachsenenalter. Solange Kinder, die diese Macht ausüben keine Konsequenzen spüren, wissen sie auch nicht dass das falsch ist.
    Bis vor etwa 10 Jahren hat niemand das Wort „Mobben“ gekannt. Damals hieß es „Kinder ärgern sich halt“. Heute ist es ein ernstes Problem und wird als solche definiert. Aber auch nur, weil andere erkannt haben, dass es negative Auswirkungen hat, wenn jemand, egal in welcher Situation, ausgegrenzt wird. Das heißt aber nicht, dass ein solches schädliches Verhalten auch überall auf Konsequenzen stößt. Besonders nicht im Berufsleben.

  • Antwort
    Tiffy
    28. Januar 2015 at 15:42

    Mädchen zicken sich an, Jungs hauen sich eins auf die Mütze. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben . Ob anerzogen, genetisch bedingt oder Gruppenzwang… Ist doch egal. Da muss man lernen mit umzugehen und mal Hand aufs Herz Mädels, ich denke jede von uns hat schonmal gezickt… ! Die Variante von den Jungs ist auch nicht viel besser, immerhin werden Kriege fast ausschließlich von Männern angezettelt und geführt…ganz ehrlich: Dann bin ich lieber zickig !

  • Antwort
    Nicole
    21. November 2015 at 10:09

    Also ich finde deinen ARtikel sehr gut geschrieben und kann sehr vieles unterschreiben. Allerdings gewinnt man den Eindruck, dass jedes Mädchen dann auch ne Zicke bleibt. Ich glaube man muss vielfach auf die Ursachen eingehen, Pubertät hat ja auch etwas mit Jungs kennenlernen zu tun und das zickig sein endet glaub ich erst dann wenn sie ihren festen Partner (fürs Leben) kennengelernt haben. Zumindest bei vielen ist es dann so, wenn die Beziehung scheitert, dann werden sie erst richtig zickig. LG Nicole :-)

    • Antwort
      Christina
      22. November 2015 at 12:53

      Da hast du absolut Recht, Nicole! Oder sie bleiben zickig und suchen sich als festen Partner einen Statisten als Accessoire ;-)
      Liebe Grüße
      Christina

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