That's Life!

Wofür brennst du?
Hauptsache etwas mit Büchern!

Hauptsache Bücher Titel

Wie passen Japanologie, der Pabst und ein jüdischer Verlag auf Mauritius in einen Lebenslauf?! Esther von Krosigk hat alles in ihrem vereint und ist noch lange nicht am Ziel ihrer persönlichen Reise angekommen. In der Reihe „Wofür brennst du?“ berichtet sie über Umwege, Werte und Ziele in ihrem Leben!

Dein Lebenslauf hat so viele verschiedene Facetten – vielleicht fangen wir mit dem größten gemeinsamen Nenner an: Bücher! Seit wann wusstest du, dass du Schriftstellerin werden wolltest?

Wahrscheinlich bevor ich wirklich richtig schreiben konnte. Als kleines Mädchen schon. Ich produzierte selber „Bücher“, die Hefte waren, indem ich sie mit eigenen Texten und Illustrationen füllte. Durch den Verlust meines Bruders und meines Vaters im Alter von fünf Jahren zog ich mich in mich selber zurück und baute mir aus Buchstaben, Bildern und Fantasie meine eigene Welt.

Später traute ich mich zunächst nicht meinem Traum nachzugehen und nur Bücher zu schreiben. Also wählte ich zunächst eine Art Übergang, den Journalismus, und arbeitete als Redakteurin für Springer, Gruner & Jahr und Burda. Ich möchte diese Erfahrung im Rückblick nicht missen, denn sie hat mir viele interessante Begegnungen, Interviews und Erlebnisse beschert.

Dann wäre es doch eigentlich logisch gewesen, nach dem Abitur Germanistik oder Journalismus zu studieren, aber du hast Japanologie gewählt und in Tokyo gelebt. Was hat dich an Japan fasziniert?

Was ist schon logisch im Leben? Und sind es nicht die Umwege und Abwege, die das Leben so aufregend machen?

An Japan haben mich zunächst – und das scheint im meinem Falle nun doch irgendwie logisch – die Schriftzeichen fasziniert. Als Kind sah ich sie auf Briefmarken, die ich sammelte. Diese Schriftkunst wollte ich lernen und alles andere hat sich daran angeschlossen: Das Interesse für das Land Japan, seine Sprache, die Kultur. Ich habe dort zu Studienzeiten eine wunderbare Zeit verbracht, hatte irgendwie Narrenfreiheit, und habe mir meinen Lebensunterhalt als deutsche Ersatz-Weinkönigin in Kaufhäusern und mit kleinen Model-Jobs verdient. Nach dem Studium erhielt ich ein Journalisten-Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung und landete – voilà! – genau dort, wo ich hinwollte: bei einer Zeitschrift und bei einem TV-Sender in Tokyo. Ich hatte mich dafür nicht mal beworben, sondern mein Japanologie-Professor hatte mich aufgrund meiner Abschlussarbeit vorgeschlagen.

Esther von Krosigk Mauritius

Und jetzt lebst du immer einige Monate im Jahr mit deiner Familie in Afrika und nicht in Japan, wie kam es denn dazu?

Als Kind habe ich immer davon geträumt eine Farm in Afrika zu haben – das hat sich bislang nicht erfüllt, aber ich habe mein eigenes kleines Büro im Landesinnern von Mauritius. Wieder bin ich via Bücher hier gelandet: der Vater meiner Tochter und ich kamen vor 10 Jahren eher zufällig hierher, das erste Verlagsbüro für Manuskripte auf Französisch und Englisch entstand. Aus familiären Gründen konnten wir damals nicht ständig auf einem anderen Kontinent leben, also reiste ich über Jahre nur ab und an nach Mauritius. Meine Tochter, unser jüngstes Kind, mag nun gerne hier sein und geht auf die britische Schule während der Monate, in denen wir auf Mauritius leben.

Neben meinem Schreiben und dem Entwickeln neuer Verlagsprojekte habe ich ein neues Feld gefunden, das mich fasziniert: Ich lasse auf der Insel überlange Perlenketten herstellen und schmücke sie mit ausgefallenen Anhängern, die ich von meinen Reisen mitbringe.

Esther von Krosigk Schmuck

In deinen Sachbüchern geht es um die letzten drei Päpste, du schreibst für die Katholische Nachrichtenagentur und du hast im vergangenen Jahr einen Jüdischen Verlag gegründet, den du auch leitest. Deine ‚Großfamilie‘ ist zudem protestantisch. Wie passt denn das für dich zusammen?

Zunächst passte das alles gar nicht zusammen. Meine Eltern und ihre Geschwister habe ich meistens über Papst, Kirche und Glauben spottend und schimpfend erlebt. Das hat mich verletzt, also habe ich meinen Glauben still und heimlich für mich gelebt. Auch in meinen ganz wilden Jahren habe ich die Hand Gottes nie losgelassen. Irgendwann war die Zeit der Halbherzigkeit vorbei und es war klar zu bekennen: Dass ich konvertiert und nun katholisch bin und dass das Schreiben ein Weg ist davon zu erzählen. Sicher auf sehr unkonventionelle und nonkonformistische Weise. Rein äußerlich schon: Mit meinen Mini-Röcken, Schlaghosen und langen Ketten werde ich eher Hippie-Goa denn Rom zugeordnet. Das Schöne ist: Niemand stört sich daran. Es ist wie in einer Großfamilie, aus der ich ja auch stamme – wenn Du ein Teil davon bist, wirst Du in Deiner Art akzeptiert.

Die Idee für einen jüdischen Verlag habe ich durch eine Pilgerreise ins Heilige Land entwickelt. Unser christlicher Glaube ist aus dem Judentum erwachsen. Nachdem ich vor Jahren den christlichen „Fromm“-Verlag gegründet hatte, stand für mich fest, dass ich diesen durch einen jüdischen Imprint ergänzen wollte. Ich selber heiße Esther nach meiner jüdischen Vorfahrin. So schließt sich also der Kreis.

Ich habe von dir einmal die Aussage gelesen „Fromm ist sexy!“ – welche Werte sind dir persönlich wichtig?

Frömmigkeit steht sicher mit obenan. Der Begriff hat heutzutage so einen Grauschleier. Doch fromm zu sein bedeutet für mich: Gottesfürchtigkeit, Annahme des eigenen Schicksals, immer der Blick nach oben. Das fordert in unserer westlichen, fast entchristianisierten Welt eine Stärke, die auf mich anziehend und sexy wirkt. Besonders, wenn man das auch klar und selbstverständlich lebt.

Andere Werte sind: Aufrichtigkeit, Loyalität, ein unerschütterlicher Charakter.

Mit welcher Persönlichkeit, tot oder lebendig, würdest du gerne ein gemeinsames Buchprojekt angehen?

Mir fallen spontan zwei Persönlichkeiten ein, die verschiedener nicht sein können: das eine ist Mose, der mit Gott so unmittelbar und direkt kommunizieren durfte wie kaum ein anderer. Von ihm würde ich mir wünschen, dass er mir seine Erfahrungen genau erzählt, aber natürlich auch etwas zu seinen Gefühlen und Ängsten sagt, die er bei seiner Begegnung mit dem Allmächtigen sicher gehabt hat.

Zusammen mit der Dichterin Else Lasker-Schüler (1869-1945) würde ich mich in ein Café in Jerusalem setzen und an Versen herunter schreiben, was uns so einfällt. Ein völlig exzentrischer Gedichtband würde daraus entstehen.

Was sind deine Ziele für 2016 und welche Ideen möchtest du langfristig weiter entwickeln und umsetzen?

Immer auf Reisen zu bleiben. Vielleicht irgendwann mehr innerlich als äußerlich. Ich sehne mich schon danach irgendwann ganz dort anzukommen, wo ich hingehöre. Aber wahrscheinlich ist das Ziel meines Unterwegssein gar kein geografischer Ort, sondern ein Zustand. Ich bin selber gespannt darauf!

Esther v. Krosigk-Hund

 

Ein ganz herzliches Dankeschön an Esther, für die sehr persönlichen Einblicke!

Ihr interessiert euch für die Bücher, die Esther bisher veröffentlicht hat und ihre Verlagstätigkeit?! Dann findet ihr weitere Informationen auf Esthers Website

Herzlichst,
Christina

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