That's Life!

Geht’s nicht auch ein bisschen netter?

Freundlichkeit by Mamlo Connection

Aus gegebenen Anlass unterbrechen wir unser geplantes Programm und schieben einen Brennpunkt ein zum Thema

Freundlichkeit kostet nichts und ist trotzdem unbezahlbar – was hindert uns eigentlich daran, freundlicher zu sein?

Aber wie kommt es zu dieser ‚Sondersendung‘ eigentlich? Auslöser ist ein Spektakel, das ich gestern an einem Samstag-Vormittag auf dem Aldi-Parkplatz miterleben durfte. Gemeinhin erspare ich mir den Einkauf beim Discounter an einem Samstag, wahrscheinlich weil ich unterbewusst schon befürchte, in die Abgründe der menschlichen Seele blicken zu müssen, wenn ich mich aufs Schlachtfeld wage…

Da steht also eine junge Frau mit ihrem Einkaufswagen an der offenen Kofferraumklappe ihres Kleinwagens und lädt ihre Einkäufe ins Auto um, der Wagen ist recht voll, es kann also noch etwas dauern. Das wiederum passt aber scheinbar dem seniorigen Fahrer des wartenden SUV so gar nicht in den Kram (vermutlich war er von seiner Holden auf die Schnelle losgeschickt worden, um noch mal eben die fehlende Sahne zum geplanten Erdbeerkuchen oder was auch immer zu  besorgen – aber das ist an dieser Stelle reine Spekulation). Jedenfalls will er dann schwungvoll und kopfschüttelnd am Einkaufswagen der jungen Dame vorbei ziehen, um sich einen anderen Stellplatz zu suchen und nimmt dabei voll den vollen Einkaufswagen mit! Ruuuums…liegt der ganze Sermon auf dem Pflaster…alle gucken…und er fährt sein Fenster herunter und fängt an zu Pöbeln was das Zeug hält! Verkehrte Welt, oder? Weitere Passanten bleiben mit ihren Einkaufswagen stehen, mischen sich ein, kommentieren und bestätigen oder beschimpfen den Fahrer wahlweise. Und was macht die junge Frau? Fängt in einer Seelenruhe an, alles einzusammeln, lächelt und sagt „Das ist heute so ein toller Tag, ich wünsche Ihnen allen, dass auch Sie ihn noch genießen können!“ – ähhhm, damit hätte ich jetzt mal so gar nicht gerechnet! Aber warum ist man eigentlich so überrascht, wenn jemand einfach freundlich reagiert und sich nicht auf die Gelegenheit zu Pöbeln einlässt?

Nettsein ist keine Charakterschwäche

Aber man könnte das fast meinen, wenn man einfach mal den Alltag auf sich wirken lässt. Woher kommt nur diese unterschwellige Alltagsaggression, ja fast schon Feindseligkeit? Und dieses permanente Gefühl, dass jeder einem etwas Böses will? Warum gehen wir direkt so aufeinander los, sobald sich der kleinste Anlass bietet? Sei es im Straßenverkehr, wo das geringste Fehlverhalten des anderen als Kriegserklärung empfunden wird. Oder an der Supermarktkasse, wo jeder stur geradeaus guckt, um nicht den Herrn in Handwerkermontur mit den drei Teilen in der Hand, der ganz offensichtlich in seiner kurzen Mittagspause ist, vorlassen zu müssen.

Sind wir vielleicht zu viele auf zu kleinem Raum? Oder von unserem Alltag so gestresst, dass wir jedes Ventil suchen, um Dampf abzulassen? Haben wir keine Zeit mehr für ein bisschen Rücksichtnahme? Vor allem habe ich das Gefühl, dass es immer schlimmer wird! Forschung und Theorie lassen zu diesem Thema verlauten, dass Liebesfähigkeit zu anderen und Selbstliebe parallel gehen. Wenn die Fähigkeit sich selbst zu lieben und schätzen gestört wird, besteht weder gegenüber anderen noch gegenüber der eigenen Person eigene Freundlichkeit – mangelndes Selbstwertgefühl also?

Dazu kommt dann noch der Spiegeleffekt – d.h. wer negative Signale aussendet, bekommt auch welche zurück, frei nach dem alten und wahren Sprichwort

Wie man in den Wald hinein ruft, schallt es wieder raus!

Das funktioniert aber doch auch anders herum. Und wenn ich hier schon 500 Wörter lang über die Gründe für Unfreundlichkeit nachdenke, dann kann ich auch gleich eine Freundlichkeitsoffensive starten!

Wenn euch also demnächst jemand beim Joggen entgegen kommt und schon von Weitem freundlich „Guten Morgen!“ ruft ohne euch zu kennen…oder euch an der Supermarktkasse vorlässt, wenn ihr nur 3 Teile im Wagen habt (aber auch nur dann)…oder im Auto überschwänglich andeutet, dass er wartet, um euch den Vortritt an einer beengten Stelle zu lassen, dann könnte tatsächlich ich das sein. Und an alle die, die mir weiterhin mit ihrer Unhöflichkeit den Tag versauen wollen: Das schafft ihr ab sofort nicht mehr!

Wie immer freue ich mich auf eure Meinung und eure Erfahrungen zu dem Thema, aber bitte gerne recht freundlich :-)

Herzlichst,
Christina

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2 Kommentare

  • Antwort
    Evy
    15. Mai 2015 at 18:04

    Es hat auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun – wenn man unfreundlich ist, denkt man, man hätte am Tag schon soviel Unglück erfahren. Und ehrlich: Manchmal ist es schwer, nett zu sein :)

    • Antwort
      Christina
      15. Mai 2015 at 18:59

      Da hast du Recht, liebe Evy, manchmal ist es wirklich schwer! Ich war heute auch in der Versuchung äußerst uncharmant zu reagieren ;-) aus dem Grund gibt es demnächst auch einen ‚Contra‘-Beitrag bei Mamlo Connection!
      Herzlichst,
      Christina

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