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Der Ernst der Eltern

Der Ernst der Eltern

Mit der Einschulung beginnt der Ernst des Lebens, fragt sich nur für wen?! Denn wenn Kinder in die erste Klasse kommen, könnte man meinen, die Eltern werden gleich mit eingeschult.

Eigentlich dachte ich ja, beim zweiten Mal wird es entspannter, da kennt man sich aus, weiß worauf es ankommt. Als ich dann allerdings mit unserer Tochter, die im August eingeschult wurde, bereits im Februar! auf einer Schulranzen-Messe im Getümmel stand, hätte ich erahnen können, dass sich der Hype in den letzen drei Jahren seitdem ich mein ‚Erstes Mal‘ erlebt hatte, quasi verdreifacht hat.

Wenn die Bildung der Zöglinge plötzlich zum ehrgeizigen Projekt wird

Neulich habe ich doch tatsächlich irgendwo gelesen, das trendigste Geschenk für Schulanfänger seien elektronische Organizer. Das hat sich aber vermutlich die elektronische-Organizer-Branche an einem sehr ernsten Tag aus den Fingern gesaugt, denn einen Erstklässler mit einem elektronischen Organizer habe ich noch nie gesehen. Meine Tochter wüsste weder was das ist, noch wozu sie so was braucht – für die Termine hat man doch mich (genau wie der Rest der Familie).

Wir Eltern sind eigentlich die, für die am ersten Schultag tatsächlich der Ernst des Lebens beginnt. Unfreiheit gehört zum Elternsein und man hat eindeutig mehr Spaß daran, je eher man sich dieser Erkenntnis fügt. Die Unfreiheit von Eltern schulpflichtiger Kinder ist aber noch einmal eine sehr schmerzhafte Steigerung. Mein absolutes Highlight: Urlaub nur noch in den Ferien, wenn alle anderen auch in Urlaub fahren. Die Schnäppchen sind vorbei, der Verteilungskampf am Dienstplan um die beste Reisezeit steht vor der Tür.

Mein zweiter persönlicher Horror (und das auch schon seit 3 Jahren) lautet: phonetisches Schreiben. Die Kinder lernen tatsächlich auf eine Weise schreiben, die es ihnen erlaubt, alles falsch zu machen, was nur geht. „Rechtschreibung als kreativer Prozess“ verschafft mir, vielleicht auch aus Gründen beruflicher Vorbelastung, Alpträume. Nein, ich kann das nicht einfach so stehen lassen. Wenn ich die Hausaufgaben laut vorlesen muss, um beim Hören zu erkennen, was das Kind schreiben wollte, dann bekomme ich Augenschmerzen.

Mathebuch 2

Von Turnbeutel-Vergessern und Elternbriefen

Und zu all dem kommt dann noch der Unterstützer-Zwang, dem man sich als Eltern nicht verweigern kann. An Turnbeutel denken, Elternbriefe von der kompostierten Banane am Tornisterboden losflexen, merken, dass die Abgabefrist für die 2 Euro für das Mitmach-Konzert schon abgelaufen ist, Wunschtermine für Elternsprechtage abgeben, per Unterschrift bestätigen, dass die Ohrringe der Tochter beim Sportunterricht abgeklebt sein müssen und parallel möglichst viele verschiedene Klo-Rollen für den Kunstunterricht sammeln. Ach ja, für unseren Ausflug suchen wir noch… ja nee, ist schon klar.

Als wäre es nicht schon genug, dass die Schule unser Familienleben quasi kolonialisiert, opfert man dem Projekt „Bildungskarriere der Kinder“ offensichtlich nur allzu gerne seine gesamten Lebenszeit und -energie. Natürlich sind nicht alle so, aber leider genug, um es für alle anderen anstrengend zu machen. Denn es ist schwer, sich nicht mitreißen zu lassen, wenn andere derart vorgaloppieren und immer dann aufzeigen, wenn Eltern-Engagement abgefragt wird (also so zirka dreimal am Tag).

Ich sage euch, ich bin zwar beim zweiten Kind schon auf einem guten Weg, mir die nötige Gelassenheit und Humor zu verschreiben, aber trotzdem bin ich sehr froh, dass erst einmal Ferien sind ;-)

Und welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wo bleibt der Spaß, wenn die Kinder in die Schule kommen? Schreibt mir, ich freue mich darauf, von euch zu lesen!

Herzlichst,
Christina

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2 Kommentare

  • Antwort
    Olga
    16. Dezember 2015 at 8:13

    Hi,

    mein Sohn kommt gerade erst in den Kindergarten und ich habe schon davor Panik, an die Schule will ich gar nicht denken. Ich habe bereits als Kind die Grundschule gehasst (trotz guter Noten), als Erwachsene die noch besser versteht was da los ist mag ich sie noch weniger. Viele Kinder die standhaft die Meinungen ihrer Eltern vertreten und Lehrer die mal lieber eine ältere Klasse unterrichten sollten – so war’s bei mir.
    Mein Sohn war eine Zeit lang in der Krippe, und da hab ich einen Vorgeschmack auf Elternkreise und Veranstaltungen mit Eltern bekommen. DANKE, NEIN DANKE. Mein Kind soll Freunde finden (irgendwann) – NICHT ICH! Er war nun doch zuhause. Ich habe viel Mitgefühl bei dem Beitrag und verdränge gerade die Tatsache dass mich das auch mal betrifft :-)

    • Antwort
      Christina
      16. Dezember 2015 at 19:43

      Einfach nicht mitreißen lassen, das sage ich mir Mantra-artig jeden Tag vor ;-)

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