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Davon habe ich schon mal gekotzt…

Freundebuch by Mamlo Connection

Kinder brauchen Freunde, keine Frage! Aber brauchen sie auch Freundebücher?

Früher war alles anders! Da schrieb man als Kind noch in die Poesiealben seiner Klassenkameradinnen – Jungs hatten so etwas nicht. Aber erst, als man auch selber schreiben konnte! Noch ein paar Sticker aus den Kiosk-Tütchen oder Glanzbilder für die, die damals schon vintage waren, dazu und am nächsten Tag gab man es in der Schule wieder ab – völlig selbstorganisiert, keine Mutter kam damit je in Berührung.

Um so härter traf mich die Realität im ersten Kindergartenjahr unseres Sohnes – damals war er gerade 2 und vom Schreiben so weit entfernt wie ein Mops vom Tangotanzen. Plötzlich lag es da, in seinem Fach und wollte mit zu uns nach Hause…das erste Freundebuch von Capt’n Sharky.

Ihr könnt „Capt’n Sharky“ auch beliebig ersetzen durch das „Doggy Love Freundebuch“, „The Frog-Bro­thers Freundebuch“, „Prinzessin Lillifee Freundebuch“, „Pippi Freundebuch“, „Disney Cars Kindergartenfreundebuch“, „Top Model Freundebuch“, „Meine olchigen Freunde Freundebuch“ (mein Anti-Favorit) oder oder oder. Und wenn man schon ein bisschen älter ist: ins „Mein Ex-Freundebuch“ ;-)

Ja/Nein/Geheim

Freundebücher sind im Vergleich zum Poesialbum das, was eine WhatsApp verglichen mit einem Brief ist: ein Witz! Rasterartige Fragen, als ob es um die richtige Partnerwahl beim Speed-Dating ginge. Vieles ist vorformuliert, manchmal muss man die Antworten nur noch ankreuzen. „Schon mal Popel gegessen? Ja/Nein/Geheim“. „Schon mal in Hundescheiße getreten? Ja/Nein/Geheim“. Und man bekommt seltsame Fragen gestellt im Freundebuch. Eines meiner Highlights der letzten 7 Jahre: „Davon habe ich schon mal gekotzt:“ Ich habe bisher leider noch nie als Antwort „von Freundebüchern“ gelesen.

Gut, normalerweise wird man in Freundebüchern andere Sachen gefragt. Beispiel: „Was ich einmal werden möchte?“ Antworten (im Original, aber erst ab der 3. Klasse): Sengerin, Lererin, Tihrferckeuferin. Oder man muss den Satzanfang „Am liebsten spiele ich“ ergänzen. Und wer dann „die beleidigte Leberwurst“ oder „andere schubsen“ schreibt, wird vom Freundebuchbesitzerkind bzw. dessen Mutter schief angeguckt. Genauso, wenn man hinter „Lieblingsfach“ nicht Meeresbierologie und Teilchenphysik schreibt, sondern: Postfach. Auch, wer als Lieblingsfarbe statt „Pink-mit-Glitzer“, „Kartoffelsalatgelb an Rostbratenbraun“ angibt, macht sich keine Freundebuchfreunde.

Fassadenoptimierung der Mütter

Aber wer schreibt da eigentlich? Zwischen dem ersten Freundebuch, welches das große Kind mitbrachte und dem Zeitpunkt, dass er eines zumindest in groben Zügen hätte selber ausfüllen können, lagen mindestens 5 Jahre und mindestens 30 Bücher – die ich ausgefüllt habe! Und wer liest das, was da drin steht? Natürlich nicht die 3-Jährigen selber – nein, das ist für all die neugierigen Mütter. Wer hat sich nicht schon dabei ertappt, sämtliche Einträge der Vorschreiber(Mütter) zu checken (bevor man sich selber eine möglichst kreative Antwort aus dem Ärmel schüttelt).

„Ich wäre jetzt gerne…. a) auf dem Spielplatz…über b) am Meer… bis hin zu m) am Strand des 5-Sterne-Ressorts auf der klitzekleinen Antillen-Insel aus unseren letzten Herbstferien“

Bei einigen Exemplaren geht das ganze Spektakel auch noch über 4 Seiten – inklusive mehren Bildern die zu malen sind und, bei mir ganz weit vorne, der verlangte Fingerabruck. Die Nummer hat mir schon zweimal den Esstisch versaut.

Und Fotos müssen natürlich rein – ach, dafür sind die hässlichen selbstklebenden Bilder, die der Kindergarten-Fotograf jedes Jahr macht – wohl dem, der sie mitbestellt hat. Das hatte ich natürlich erst im zweiten Kindergartenjahr verstanden…nachdem ich x Mal mit einem USB-Stick zum Fotoladen gerannt war, um einen Schnappschuss qualitativ hochwertig aufs Papier zu bringen.

Jetzt sind wir in Klasse 4 angekommen, die Kinder können alle selber schreiben und plötzlich interessiert sich keines von ihnen mehr für die besagten Bücher…wenn sie sich jemals selber dafür interessiert haben ;-)

Und wie viele Freundebücher habt ihr schon ausgefüllt

( ) > 30
( ) ich habe ein Muster geschrieben, das ich kopiere und einklebe
( ) geh mir bloß weg damit

Lebe glücklich, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh. Unsere Freundschaft endet dann, wenn der Mops Französisch kann ! In diesem Sinne…

herzlichst,
Christina

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