That's Life!

Das großartige Leben

Das großartige Leben

Die Arbeitskollegin haut in den Sack und eröffnet ein veganes Café, die Freundin schreibt ein Buch und die Nachbarin sucht spirituelle Erleuchtung bei einem 3-monatigen Indien-Trip. Und man selbst? Kommt irgendwie nicht aus dem Quark! Und wenn man dazu noch im eigentlich besten Alter „um die Vierzig“ ist, drängt sich immer stärker der Gedanke in den Vordergrund: Und was mache ich eigentlich aus meinem Leben?

Die gute Nachricht: ihr müsst nicht gleich euer ganzes Leben umkrempeln, oft reichen schon kleine Kurskorrekturen, damit wir uns wieder erfüllter und lebendiger fühlen!

Doch fangen wir vorne an. Oder besser gesagt vor rund 20 Jahren (die gefühlt gerade maximal 5 Jahre her sind). Nach der Schule mit Anfang 20, da lag uns die Welt zu Füßen. Man hätte überall hingehen, überall leben, überall studieren und arbeiten können…alles konnte, nichts musste, wir waren halt die Generation Golf * (und wie lange ist dieses Buch eigentlich schon her? Könnt ihr euch noch daran erinnern?) Alles war drin, in unserer Wundertüte des Lebens…

Und weil einem die Welt offen stand, entschied man sich erst einmal für eine gute Grundlage, flippig durch die Welt reisen konnte man ja auch noch nach dem soliden Jura-Studium oder der klassischen Bank-Ausbildung.

Gut. Okay. Nett.

10 Jahre später dann wohnt man, ehe man sich es versieht, in Kirchhellen oder Oer-Erkenschwick. Und wenn einer fragt „Wie geht’s?“ lautet die Antwort „Gut“. Beziehung fest seit dem Abi, nach dem Studium einen guten Job gefunden (bestenfalls nahe dem Geburtsort), Freundeskreis auch vorhanden. Gut. Okay. Nett. Aber nicht fantastisch. Nicht phänomenal. Was ist denn passiert? Tja was eigentlich? Der Alltag ist passiert und die Bequemlichkeit hat uns in ihren Fängen. Ein fester Job, eine feste Beziehung…suggeriert uns Sicherheit…Sicherheit ist beruhigend…aber meistens auch langsam und langweilig!

Man muss das Leben tanzen!

Hat Friedrich Nietzsche gesagt. Und plötzlich ist man Vierzig und zum festen Job und der festen Beziehung sind noch Kinder und ein Einfamilienhaus gekommen. Auf die Frage „Und sonst so?“ lautet die Antwort meist „Muss ja“. Das ist in Ordnung, da kann man nicht meckern, schließlich könnte es schlechter gehen – wäre da nicht diese leichte Unzufriedenheit die immer dann zwickt, wenn andere ihrem Leben einen vermeintlich großartigen Richtungswechsel verpassen. Sollte man nicht doch noch einmal etwas ändern? So wie die Kollegin mit dem veganen Café oder die frisch geschiedene Nachbarin, die jetzt frisch verliebt mit ihrem Yoga-Lehrer durch Indien tingelt und auf Facebook Sonnenuntergänge und Ayurveda-Tee postet? So ein richtiges „Ich zeige es noch mal allen!“ – aber mit Tusch und Fanfaren?

Alle machen plötzlich etwas cooles mit ihrem Leben, nur man selber steckt fest zwischen Pflichtgefühl gegenüber der Familie und der eigenen Angst, die Komfortzone zu verlassen. Die Welt erscheint wie ein Schlaraffenland, das ständig mit neuen Versuchungen und Möglichkeiten lockt. Und alle anderen scheinen es für sich zu nutzen, machen „das Beste“ aus ihrem Leben – und man selbst?

Her mit dem perfekten Leben

Unendlich viele Möglichkeiten zu haben und selbst entscheiden zu können klingt nach großer Freiheit, aber es ist eine Freiheit, die man auch aushalten muss. Das Pathos, mit dem heute Verlobungen bekanntgegeben, Hochzeiten gefeiert und Taufen begangen werden, Einladungen in geschwungener Schrift, aufwendige Zeremonien: Das alles zeugt von großer Unsicherheit. Als wolle man demonstrieren, die richtige Entscheidung getroffen zu haben – eine, die sich in Zement gießen lässt.

Mit dem Wunsch, es richtig zu machen, vergisst man oft, wem man es wirklich recht machen sollte: sich selbst. Nur weil man alle Möglichkeiten hat, muss man sie nicht nutzen – das alte Frühstücksbuffet-Problem. Aus Angst, etwas zu verpassen, türmt man sich den Teller voll und merkt hinterher: Weniger wäre klüger gewesen. Gilt genauso für die Lebensplanung.

Das soll nicht heißen, dass man tunlichst nichts verändern sollte. Habe ich einen Herzenswunsch, dann sollte ich ernsthaft über seine Realisierbarkeit nachdenken. Ist mir etwas in meinem Leben wirklich unerträglich, dann sollte ich versuchen es zu ändern. Geht das nicht, dann muss ich es vielleicht hinter mir lassen.

Love it, change it or leave it.

Wisst ihr eigentlich, von wem dieses Zitat stammt? Auf den ersten Blick liest es sich wie eine Zen-Technik oder eine Idee vom Dalai Lama, aber „erfunden“ hat es Henry Ford.

Aber das heißt nicht, dass man immer auf der Suche nach etwas noch besserem sein muss. Man muss nicht gleich den Job kündigen und spontan einen Kredit für ein veganes Café aufnehmen oder bei der ersten Durststrecke langjährige Beziehungen über den Haufen werden, nur aus Angst, dass man etwas verpassen könnte! Man darf auch ruhig mal ganz langweilig mit der derzeitigen Situation zufrieden sein.

Deshalb: Einatmen, ausatmen und sich fragen, was einem wirklich wichtig ist. Jetzt, genau zu diesem Zeitpunkt.

Und jetzt freue ich mich wie immer auf eure Meinung zu der Frage

Ist das Leben nicht großartig?

Herzlichst,
Christina

 

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4 Kommentare

  • Antwort
    Feli
    10. Mai 2016 at 18:10

    Ach, Christina, ich musste wieder herzlich schmunzeln bei deinem Artikel! :-) Ich finde, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen – es ist der Wahnsinn, wie viele Menschen ihre Entscheidungen in Stein gemeißelt sehen wollen und ihr umgekrempeltes Leben nach außen tragen. Ich darf mich vielleicht nicht ausnehmen, immerhin lebe ich ein super unkonventionelles Leben als digital nomad, wie man auf Neudeutsch sagen würde, wohne in einer Mini-Homebase, reise um die Welt, lebe mein Leben und lasse die anderen daran teilhaben.

    Aber: Ich finde, jeder sollte das tun und so leben, wie es ihn persönlich glücklich macht! Ich bin großer Fan davon, dass jeder etwas Verrücktes tun SOLLTE, wenn es zu ihm PASST, und ebenso ein großer Fan davon, dass jeder ein „Standard-Leben“ führen SOLLTE, wenn es ihm gut tut. Was nützt das Hinterherhecheln hinter dem Ach-so-tollen-Leben, wenn es nicht sein ‚eigenes‘ ist?

    Oh, und noch die Antwort auf deine Frage: OH JA, ABSOLUT! :-)

    In diesem Sinne: Follow Your Dreams! :-)

    Liebe Grüße,
    Feli

    • Antwort
      Christina
      11. Mai 2016 at 7:52

      Danke für deine liebe Rückmeldung Feli und: Follow your dreams! :)
      Liebe Grüße
      Christina

  • Antwort
    Fabienne
    11. Mai 2016 at 10:34

    Ja! Das Leben ist großartig!
    Klasse, wie du es auf den Punkt bringst, liebe Christina.
    Das größer, höher, schneller nenne ich auch gerne das BSO-Syndrom = Bright shiny object syndrome.
    Du schaust links und rechts, siehst all die glitzernden Lichter und ‚denkst‘, das auch haben zu müssen.
    Das macht auf Dauer müde, und zermürbt, weil du ständig denkst: „Ich bin nicht gut genug. Mein Leben ist nicht gut genug.“

    Wenn mich hier ein Satz gerade begleitet und leitet dann ist es dieser:
    „Trust the timing of your life“

    Wenn es die Reise nach Indien sein soll, also wirklich von Herzen, dann wird sie kommen!

    Und bis dahin einfach sein und leben.
    Danke für diesen Anstoß!

    • Antwort
      Christina
      11. Mai 2016 at 17:57

      Danke für die tolle Antwort. BSO-Syndrom muss ich mir merken! Und den Satz unterschreibe ich :)

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